Ausbildung im Brandcontainer

17. Oktober 2020
Atemschutz
Nach zwei Jahren Pause war der Brandübungscontainer des Landesfeuerwehrverbandes-Bayern wieder Gast im Landkreis Eichstätt.

64 aktive, ehrenamtliche Feuerwehr-Dienstleitende waren an verschiedenen Tagen unter Einhaltung der aktuellen Hygienevorschriften im Brandcontainer zum Üben eingeladen.
Unter fachkundiger Anleitung der Ausbilder der Firma Dräger und der Ausbilder des Landkreises unter der Leitung von Thomas Seitz konnten
viele Erfahrungsbeispiele geübt werden.

 

Donaukurierbericht:
Training bei 800 Grad
Mithilfe eines Brandübungscontainers haben Atemschutzgeräteträger aus dem Landkreis Eichstätt in den vergangenen Tagen für den Ernstfall geprobt. Sie kamen bei der Feuerwehr in Lenting zusammen, um sich fit für schwierige Einsätze zu machen.

Die Tür des roten Containers ist geschlossen, aber aus den Ecken qualmen gewaltige Rauchschwaden in den dunklen Abendhimmel. Es riecht rußig. Von innen klopft es dreimal laut - das Signal für das Ausbilderteam, zu öffnen. Hitze und noch mehr Qualm schlagen den Außenstehenden entgegen. Es dauert ein paar Sekunden, bis auf dem Boden des Containers einige Gestalten zu erkennen sind. Sie kauern unter einer dicken Decke aus Rauch, an der sich kleine Flammen entlangzüngeln. "Die amerikanische Feuerwehr nennt das Dancing Angels", schildert Thomas Seitz von der Atemschutzausbildungsstelle im Landkreis.

Tanzende Engel - eine zynische Bezeichnung für diese gefährlichen Begleiterscheinungen eines Brands. Sie bilden sich bei einem Flash-over, also beim plötzlichen Übergang eines Feuers zum Vollbrand. "Zum Beispiel, wenn es wie durch das Öffnen der Containertür mit Sauerstoff angereichert wird", erklärt Kreisbrandrat Martin Lackner.

Ein Flash-over wird in diesen Tagen in einem Ausbildungscontainer simuliert, der aktuell auf dem Gelände der Feuerwehr in Lenting als landkreiseigene Ausbildungsstelle steht. Bereitgestellt vom Innenministerium und vom Landesfeuerwehrverband Bayern, bietet der Container diesmal 64 Atemschutzgeräteträgern aus dem Landkreis eine realitätsnahe Übungsmöglichkeit unter starker Hitzebelastung für den Ernstfall wie einen Zimmerbrand.

Die Heiß-Ausbildung ist enorm wichtig: "Zimmerbrände sind Gott sei Dank nicht an der Tagesordnung", berichtet Lackner aus dem Feuerwehralltag. Gerade für junge Kameraden wird es deshalb aber schwieriger, Einsatzerfahrung zu gewinnen - auch, um Fehlentscheidungen in potenziell lebensgefährlichen Situationen zu vermeiden. Das bestätigt der Leiter der Übung, Dominik Blümlein, Brandmeister einer Werkfeuerwehr aus Schweinfurt: "Heute geht es darum, zu riechen, zu fühlen, zu schwitzen." Laut Lackner reißen sich die Feuerwehrler deshalb oft darum, mitmachen zu können.

Unter den rund 6000 aktiven Feuerwehrleuten im Landkreis gibt es etwa 1000 Atemschutzgeräteträger, weiß Lackner. "Darunter immer mehr Frauen", freut sich der Kreisbrandrat. Eine davon ist Jana Ruthingsdorfer von der Schernfelder Feuerwehr. So richtig aufgeregt ist die 23-Jährige vor der Übung nicht. "In der Theorie wurde es uns gut erklärt", sagt die junge Frau, die mit 14 in die Jugendfeuerwehr eingetreten ist und vier Jahre später zur Atemschutzgeräteträgerin wurde. "Das Training ist gut zur Vorbereitung, sodass man die Situation nicht zum ersten Mal im Ernstfall erlebt."

Nach einer theoretischen Einweisung durch Blümlein stattet die ganze Gruppe den Container mit dem Brennmaterial aus: Spanholzplatten. "Die brennen durch den Kleber besser als echtes Holz", meint Seitz. Blümlein erläutert den Teilnehmern den Ablauf und zeigt ihnen den Notausgang, ehe sie draußen kurz den Löschvorgang über die sogenannte dynamische Strahlrohrführung üben. "Und, schon nervös?", fragt einer der Ausbilder in die Runde. So richtig antworten will ihm da noch keiner.

Im Keller der Feuerwehr legen sich die Männer und Frauen schließlich die Ausrüstung - darunter Maske, Lungenautomat und Druckluftflasche - an, was einige Minuten in Anspruch nimmt. "Da kommen noch mal gut 30 Kilo zum Eigengewicht dazu", schildert Seitz. "Fit muss man da schon sein." Regelmäßige Gesundheitschecks sind deshalb notwendig.

Endlich geht es los: Die Gruppe klettert über Stufen in den Container, wo der Brandmeister bei offener Tür die Spanplatten entzündet. "Die Teilnehmer sollen den Entstehungsbrand sehen, was sie ja normalerweise nicht können", merkt Blümlein vorher an: In der Regel kommt die Feuerwehr, wenn der Brand schon in vollem Gange ist. Wegen des nasskalten Wetters dauert das in dem Container allerdings. Langsam wächst das Feuer, damit auch die Rauchschwaden. Je mehr Rauch, desto tiefer fällt er, lernen die Zuschauer.

Dann wird der Container geschlossen. Durch den Entzug des Sauerstoffs bilden sich Brandgase, die sich eben entzünden, als die Tür wieder geöffnet wird. Die Simulation der Flammenentwicklung hat geklappt: Etwa 800 Grad hat es jetzt im Container, unter der Decke kann es unter Umständen sogar bis zu 1000 Grad heiß werden. "Oben am Kopf hat's schon gscheit gedampft", sagt einer im Anschluss an die Übung.

Die Schutzkleidung muss am Ende in der richtigen Reihenfolge ausgezogen werden, um eine Dekontamination der Haut mit den giftigen Brandstoffen zu vermeiden. Die Feuerwehrler dampfen in der kalten Luft. Nico Pfaller ist froh um die Erfahrung in dem Container, sagt der 27-Jährige von der Pietenfelder Feuerwehr: "Es ist gut zu wissen, wie viel die Schutzkleidung doch abhält."

Quelle Bericht und Fotos: Donaukurier - Stephan Tanja, Redaktion Kösching
https://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/dk-video-Video-Training-bei-800-Grad;art599,4703678

Videobericht TV-Ingolstadt:
https://www.tvingolstadt.de/mediathek/video/bei-800-grad-celsius-im-branduebungscontainer